Deutschlands jüngste „Radfahrerkirche“ steht im Fährdorf Gruna
(Gruna/Wsp/as). Deutschlands älteste und Deutschlands jüngste Radfahrerkirche stehen nur 30 km voneinander entfernt. Die eine steht seit 2003 in Weßnig bei Torgau, die andere (19. Radfahrerkirche Deutschlands) steht in Gruna. Das Fährdorf Gruna ist weit über die Grenzen Nordsachsens als touristisches Kleinod bekannt. Seit 2010 agiert das dortige Fährhaus auch im Verbund der Heidemagnete des Naturparks Dübener Heide. Der allseits bekannte Mulderadweg, der mit der Personenfähre in Gruna den Fluss überquert, hat sich in den letzten Jahren bereits zu einer wichtigen Radroute in Mitteldeutschland entwickelt.
Vor diesem Hintergund war die Idee geboren, dass Angebot für Gäste in Gruna weiter auszubauen. Bereits im Juli 2007 wurde vom Planungsbüro Dr. Schiemann das Leader-Projekt „Erlebnis Netzwerk Mulde“ erarbeitet und in Teilen umgesetzt. Eine der damaligen Ideen war auch die Nutzung der aufwendig restaurierten Grunaer Dorfkirche als „Radfahrerkirche“. Diese Überlegung wurde in die Praxis umgesetzt.
Dafür wurde aktiv in der Ortschronik re­cherchiert und viele wissenswerte Geschichten zusammengetragen. In der „Radfahrerkirche“ sind auch die restaurierten Grabsteine der für Gruna wichtigen Familie von Spiegel zu besichtigen. Diese unterhielt auch intensive Beziehungen zum Reformator Dr. Martin Luther. An die Spiegels erinnert eine große Anzahl Epitaphen in den Kirchen von Gruna, Hohenprießnitz und anderen Orten der Region. Auf die Spuren Luthers sowie der Familie Spiegel begab sich auch der Hobby-Geschichtsforscher Rico Nauditt, seines Zeichens Koch im Fährhaus Gruna. Er recherchierte in Archiven und im Internet und stieß teilweise auf seltene original erhaltene Briefe der Familie Spiegel sowie auf den Inhalt eines Briefes, den Luther an die Spiegels verfasste. Nauditt bemühte sich auch um die Beschriftung der Grabplatten in der Grunaer Kirche.
Zudem gibt es im Grunaer Gotteshaus einen Infostand mit nützlichen Materialien für Radfahrer. Das Ziel ist es, Gruna ähnlich wie Grimma zu einer wichtigen Station am Mulderadweg mit verschiedenen Übernachtungsmöglichkei­ten weiterzuentwickeln.
Die „Radfahrerkirche“ soll als Ort der Besinnung den Ausflug an die Mulde noch interessanter machen. Sie ist täglich von 10 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. Auch außerhalb dieser Zeiten können sich Interessierte Zugang verschaffen, indem sie die Kontaktnummer auf einem Hinweisschild an der Kirche anrufen.


Rico Nauditt entdeckte seltene Zeitzeugen zur Geschichte Grunas. Foto: (Wsp) Schütz
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